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Erfolgsgrundlagen schaffen für Hightech-Startups

November 2017Foto: TecUP

Startups können die nötige Schubkraft in etablierte Unternehmen bringen und sich zeitgleich als wertvolle Entwicklungspartner für etablierte Unternehmen herausstellen. Gerade bei der Digitalisierung können sie durch ihre innovativen Ideen einen riesigen Beitrag auch für die regionale Wirtschaft leisten. Die Tiding spricht darüber mit Dr. Sebastian Vogt, Geschäftsführer des Technologietransfer- und Existenzgründungs-Centers der Universität Paderborn (TecUP).

Die Digitalisierung bietet hervorragende Perspektiven für die Region OWL. Die Stadt Paderborn spielt bei der digitalen Modellregion NRW eine zentrale Rolle. Die Startups der Region OWL setzen bereits auf die Digitalisierung: Agiles Projektmanagement, zeitliche und räumliche Flexibilität und vernetztes Arbeiten. Angebote, wie die garage33 in Paderborn, stellen wichtige Vernetzungspunkte im digitalen Wandel dar: Hier bekommen junge, aber auch etablierte Unternehmen das nötige Werkzeug und den nötigen Freiraum, um zusammen mit der Wissenschaft neue, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Im Interview mit Dr. Sebastian Vogt, Geschäftsführer des Technologietransfer- und Existenzgründungs-Centers der Universität Paderborn (TecUP), sprechen wir über die digitale Transformation und die Bedeutung von Startups.

Tiding: Herr Dr. Vogt, wie kann die digitale Transformation auf Organisationsebene gelingen? Welche Rolle spielen Startups dabei?

Dr. Sebastian Vogt: Die Digitalisierung betrifft heutzutage jede Branche – sie ist Chance und Herausforderung zugleich. Um die Herausforderungen der digitalen Transformation zu meistern, arbeiten einige Unternehmen bereits mit Startups zusammen, um so einen besseren Zugang zu deren Querdenkermentalität, neuen Technologien und Innovationen zu haben. Startups können die nötige Schubkraft in etablierte Unternehmen bringen und sich zeitgleich als wertvolle Entwicklungspartner für etablierte Unternehmen herausstellen.

Im Testumfeld der garage33, dem Gründungsinkubator in Paderborn, können mittelständische Unternehmen gemeinsam mit „jungen Wilden“, also Studierenden, Doktoranden und Gründern aus der Universität Paderborn in kurzen Intervallen neue Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle entwickeln und testen. Die Unternehmen haben in der garage33, die vom Technologietransfer- und Existenzgründungs-Center der Universität Paderborn (TecUP), betreut wird, somit die Möglichkeit mit unternehmens- und branchenfremden Querdenkern in Kontakt zu treten. Die Unternehmen bekommen den frischen Blick fachneutraler Personen und können von den Ideen, Techniken und vor allem dem Gründergeist der Startups profitieren. Auf diese Weise können sie Ihre Innovationsprozesse schneller voranbringen und agiler auf Marktveränderungen reagieren. Die Kombination unternehmerischer Startup-Dynamik mit den Ressourcen der „Corporates“ ist also für beide Seiten von Vorteil, da auch für die Startups aus der garage33 eine solche Kooperation ein echter Türöffner sein kann.

Tiding: Inwieweit tragen Gründungsinkubatoren, wie die garage33, zum Ausbau der digitalen Infrastruktur bei?

Vogt: Viele junge Unternehmer, die den Schritt in die Selbstständigkeit machen möchten, haben eine innovative Idee, aber den meisten von ihnen fehlt es an Kapital, dem passenden Netzwerk oder dem dazugehörigen wirtschaftlichen Know-how. Genau hier setzt das TecUP an: Wir sind die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Wissenschaft und stellen mit Angeboten, wie der garage33, wichtige Vernetzungspunkte im digitalen Wandel dar. Hier bekommen junge Unternehmen das nötige Werkzeug und den nötigen Freiraum, um zusammen mit der Wissenschaft neue, innovative Geschäftsideen zu entwickeln. Hightech- Startups sind von immenser Bedeutung für das Wachstum und die Prosperität einer Region.
Wenn wir Gründerinnen und Gründer auch weiterhin stärker unterstützen, wird die Basis vorhandener Unternehmen breiter und OWL als Wirtschaftsstandort nachhaltig attraktiv. Zudem schafft gegenwärtig das InnovationslaborOWL neue Ressourcen: In den kommenden drei Jahren werden drei Kohorten von Startups über jeweils zwölf Monate qualifiziert, um so Geschäftsideen erfolgreich zu entwickeln und in die Umsetzung zu bringen. Hierbei handelt es sich um ein neues Projekt der Hochschulkooperation Campus OWL, an welchem neben der Universität Paderborn auch die Universität Bielefeld, die Hochschule Ostwestfalen-Lippe sowie der Fachhochschule Bielefeld mitwirken. Insgesamt sollen hierdurch bis zu 45 Startups und bis zu 100 Gründer an den Hochschulstandorten betreut werden. Ziel ist es, durch den Ausbau der digitalen Infrastruktur, OWL als Gründerregion und Hightech-Standort zu stärken.

Tiding: Inwiefern entscheidet die Digitalisierung über die Wettbewerbsfähigkeit der Region OWL?

Vogt: Neue, digitale Ideen leisten einen gewaltigen Beitrag für die regionale Wirtschaft: Zahlreiche Studierende, Absolventen und Wissenschaftler der Region OWL haben in den vergangenen Jahren ein Unternehmen gegründet, sind heute als Auftraggeber für Forschung und Entwicklung tätig und üben als Arbeitgeber in der Region eine wichtige Funktion aus. Bis heute sind bereits mehr als 170 Unternehmen aus der Universität Paderborn ausgegründet worden, wobei mehr als 8.500 Arbeitsplätze geschaffen wurden – 82 Prozent davon in der Region.

Um Gründungen bestmöglich zu unterstützen, bedarf es eines Gründerökosystems, welches aus verschiedenen Puzzlestücken gebildet werden muss. Einerseits bedarf es eines Innovationsquartiers, wie der garage33, welche als Anlaufstelle für alle Beteiligten fungiert. Unsere Coaching- und Qualifizierungsangebote bilden weitere, essentielle Bestandteile eines Gründerökosystems. Ein weiteres, bedeutendes Puzzlestück ist der Zugang zu Wagniskapital. Dieser Zugang hat in OWL lange gefehlt, weshalb manche Startups in Wachstumsphasen die Region verlassen haben. Mit dem Technologiefonds OWL und dem Business Angel Netzwerk OWL (BAN.OWL) ist es gelungen, auch dieses Puzzlestück in der Region zu etablieren.

Ziel des durch TecUP initiierten BAN.OWL ist es, privatwirtschaftliche Investoren der Region und Startups bestmöglich zu vernetzen, um Gründungsunternehmen den Zugang zu Wagniskapital zu erleichtern und somit das Startup-Ökosystem nachhaltig zu stärken. Die Business Angels, welche zumeist erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer aus OWL sind, stellen Risikokapital für die Startups zur Verfügung und bringen zudem ihre Erfahrungen und Netzwerke in die jungen Gründungsunternehmen mit ein.

Der Technologiefonds OWL wurde von den Gesellschaftern der Sparkasse Paderborn-Detmold, der NRW.Bank und Phoenix Contact initiiert und wird vom Fondsmanagement EnjoyVenture, dem Spitzencluster it’s OWL und TecUP unterstützt. Der Technologiefonds OWL kann bis zu 1,5 Mio. Euro in eine Beteiligung investieren – hierbei werden insbesondere Start-ups aus den Bereichen IT bzw. IoT (Internet of Things/Internet der Dinge) sowie innovative Geschäftsmodelle mit hohem Markt- und Skalierungspotential unterstützt. Der Technologiefonds OWL ist ein weiterer wichtiger Schritt, um Startups in OWL ein Ökosystem für erfolgreiche Gründungen zu bieten und damit nachhaltig an die Region zu binden!

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