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Hanseatischer Handschlag und Nachhaltigkeit als Erfolgsrezept

September 2018Text: Sabine TjørnelundFoto: Alex Schelbert

In den letzten zehn Jahren hat der Unternehmer Stefan Moritz nicht einen schriftlichen Vertrag geschrieben; Absprachen werden per Handschlag getroffen. Für ihn und seine Kunden zählt Vertrauen – das ist nachhaltiger als Papier, so seine Firmenphilosophie. Auf Nachhaltigkeit setzt er auch bei seinem Kernprodukt: Messe- und Eventplanung. Ungewöhnlich in der Branche – aber es funktioniert.

Stefan Moritz arbeitet mit seiner Firma MIV Moritz Innovationen Vertriebs KG seit mehr als zehn Jahren im Bereich Messebau und Eventgestaltung. Während in der Branche normalerweise jedes Detail vertraglich festgehalten wird, besiegelt der Unternehmer aus Buxtehude seine Leistungen per Handschlag. Doch nicht nur das Handeln im Sinn des „ehrbaren Kaufmanns“ zeichnet Stefan Moritz aus. Sein Markenzeichen ist Nachhaltigkeit. Wo immer es möglich ist, setzt er auf ressourcenschonende Materialien und Dienstleistungen; von der Planung bis zum fertigen Messestand inkl. Catering und Transport von Menschen und Materialien. Und das immer erfolgreicher. In diesem Jahr gehörte sein Unternehmen zur engeren Auswahl für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis.

Tiding-online hat bei Stefan Moritz nachgefragt, was seine Kunden zu Verträgen per Handschlag sagen und wie sich Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Messewelt umsetzen lassen.

Herr Moritz, Verträge mit ihren Kunden schließen sie per Handschlag. Wie kommt der hanseatische Gedanke des ehrbaren Kaufmanns bei Ihren Kunden an?
Stefan Moritz: Für neue Partner ist das anfangs schon ungewöhnlich und sie möchten manchmal noch etwas Schriftliches zu den Konditionen. Generell finden die Kunden es richtig gut und dabei ist es egal, ob sie aus Deutschland, Europa, den USA oder sogar aus Australien kommen. Gemeinsam treffen wir auf einer Messe bereits die Abmachungen und Konditionen für das nächste Jahr oder die nächste Messe und schlagen dann per Hand ein. Das ist Vertrauenssache. Es wird akzeptiert und für gut befunden. In zehn Jahren habe ich noch keine einzige schlechte Erfahrung gemacht. Und wenn ein Kunde sagt, dass er im nächsten Jahr mit einem anderen Partner etwas Neues ausprobieren möchte, ist das selbstverständlich ok und gehört zum Geschäft. Viele Kunden kommen nach einem Jahr zurück. Wir setzen auf Qualität und auf Nachhaltigkeit – und das zu 100 Prozent. Dies zeichnet uns aus und Kunden honorieren unser „grünes“ Engagement.

Was unterscheidet Sie von andern Messeplanern?
Wir arbeiten in der Regel für kleine und mittelständische Firmen. Diese haben meistens weder die Zeit noch das komplette Know-how, um einen modernen und funktionalen Messestand mit allem, was dazugehört zu organisieren. Es fängt bei der Auswahl des Standplatzes in der Halle an. Wir bieten mit unserem „TEES – Total Exhibition & Event Support“ ein Rundum-Sorglos-Dienstleistungspaket an. Dieses Baukastensystem enthält vom Messebau bis zum Catering die gesamte Lieferkette. Dazu gehört ebenso die Buchung von Übernachtungen oder von exklusiven Meetingräume für sensible Kundengespräche, wie die Organisation der An- und Abfahrt zur Messe. Wir kümmern uns darum, dass die langen und anstrengenden Messetage für das Standpersonal so angenehm wie möglich gestaltet werden. So setzen wir beispielsweise einen federnden Fußboden auf dem Messestand ein, der die Gelenke schont. Natürlich organisieren wir auf Wunsch Sightseeing-Touren als Ausgleich, oder wir legen zur Begrüßung ein landestypisches Präsent ins Hotelzimmer.

Und das alles unter dem Aspekt von Nachhaltigkeit und Ökologie. Wie funktioniert das?
Wir setzen bereits beim Standbau langlebige Baumaterialien ein, die mehrfach verwendet werden und nicht gleich auf dem Müll landen. Ein Beispiel: Viele Messebauer nutzen Laminat oder Teppichmaterial für den Fußboden. Mindestens 60 Prozent werden nach einer Messe weggeworfen, weil das Material nicht lange belastbar ist. Unsere Fußböden sind zwar teurer, dafür aber wiederverwendbar und ebenfalls gelenkschonend. Kein unwichtiger Aspekt, wenn man den ganzen Tag auf einem Messestand steht und kompetente Beratung leisten muss. Unsere LED-Beleuchtung ist nicht nur nachhaltig, sondern verursacht – anders als herkömmliche Scheinwerfer – keine extreme Hitze. Wir verpacken nichts in Plastikfolie, sondern nutzen wiederverwendbare, robuste Klappkisten. Catering buchen wir bei regionalen Anbietern, und bei der An- und Abreise oder Beförderung während der Messe setzen wir auf vorgebuchte Sammeltaxis, öffentlichen Nahverkehr und das gemeinsame An- und Abreisen. Bei uns gibt es kein Einweggeschirr und wir nutzen Pfandflaschen. Nachhaltigkeit ist für uns mittlerweile ganz selbstverständlich.

Ökologisch und nachhaltiger Messebau und Eventgestaltung – hört sich teuer und aufwändig an?
Kurzfristig gedacht kostet manches etwas mehr. Doch mittelfristig sind wir sogar günstiger, z.B. in dem wir fast alle Materialien viele Male verwenden, Verpackungsmaterial gar nicht erst benutzen oder Fahrt- und Personalkosten sparen, weil wir Aufgaben für mehrere Kunden auf einer Messe übernehmen.

Was sagen die Kunden zu Ihrem Nachhaltigkeitskonzept?
Am Anfang wurde das Einsparungspotential natürlich nicht wahrgenommen und wir mussten Überzeugungsarbeit leisten. Doch heute würdigen die Kunden unseren Einsatz für die Ressourcenschonung und haben auch den positiven Imageeffekt für sich selbst erkannt. Um dies zu dokumentieren stellen wir auf unseren Messeständen Hinweistafel auf, und weisen so auf das Nachhaltigkeitskonzept beim Standbau hin. Damit können unsere Kunden wiederum ihren Messebesuchern bekunden, dass auch ein Messestand unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit tadellos funktioniert.

Herr Moritz, vielen Dank für das Gespräch.

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