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Kolosse aus Stahl – Maschinen mit Charakter

Juli 2018Text: Sabine TjørnelundFoto: Patrick Altrogge, Inmotto

Während so mancher Industriebetrieb mittlerweile lieber günstige Materialien verwendet und Massenprodukte herstellt, geht ein junges Unternehmen aus Ostwestfalen genau den entgegengesetzten Weg. Der Maschinenbauer Allstein setzt auf Einzelstücke, Qualität und Wertarbeit mit den besten Materialien. Und ist damit richtig erfolgreich!

Fertig montiert steht die „Allstein-Hydro“ wie ein stolzer Koloss aus Stahl in der Produktionshalle: 60 Tonnen schwer, 25 Meter lang, fünf Meter hoch. Sie ist der Porsche unter den Flexodruckmaschinen der Verpackungsindustrie. Zwölf Kilometer Kabel und über einhundert Servomotoren sind in ihr verbaut. Demontiert füllt sie bis zu zehn Container, die auf Lkws und mit einem Spezialtransporter zum Kunden gebracht werden. Nur die besten Materialien, Komponenten und Maschinenteile verwendet das Unternehmen für die Herstellung. Allstein konstruiert und baut Flexodruck- und Sackmaschinen für die Verpackungsindustrie weltweit. In einem mehrfarbigen Hochdruckverfahren werden bahnenförmige Materialien wie Papier, Wellpappe und Folie bedruckt und Packsäcke hergestellt. Jede Druckmaschine ist ein Unikat und wird genau auf Ansprüche und Wünsche des Kunden maßgefertigt. „Wir entwickeln und bauen in der Tradition des deutschen Maschinenbaus die besten Druck- und Sackmaschinen“, sagt Gordon Whitelaw, Gründer und Geschäftsführer der Allstein GmbH selbstbewusst.

Junge Wilde treffen auf 300 Jahre Erfahrung
Der gebürtige Engländer kennt den Markt wie kaum ein anderer. Whitelaw ist seit über 20 Jahren erfolgreich in der Branche tätig. 2012 gründet er mit Allstein sein eigenes Unternehmen in Steinhagen. Schnell versammelt er ein Team aus Gleichgesinnten um sich: einige der besten Entwickler, Ingenieure und Vertriebler. Diese Mitarbeiter verfügen über mehr als 300 Jahre Erfahrung bei der Konstruktion und Herstellung von Druckmaschinen auf höchstem Niveau. Hinzu kommen die jungen Wilden: talentierte Schlosser, Softwareentwickler, Elektriker oder Ingenieure. Alle verbindet das gemeinsame Ziel, die bestmögliche Maschine für den Kunden zu bauen. „Wir beflügeln uns gegenseitig. Es macht einfach Spaß, mit jungen Leuten zu arbeiten“, sagt Hartmut Rössler – ein Urgestein der Branche. Er hat schon den Großvätern heutiger Kunden Druckmaschinen verkauft.

Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Erfolg
Das Unternehmen entwickelt sich rasant. 2017 zieht Allstein in ein neues Firmengebäude in Herford. Dort produziert das Unternehmen seine Maschinenkolosse auf 12.000 Quadratmetern. Nicht nur flächenmäßig expandiert das Unternehmen. Allstein ist in kurzer Zeit auf einhundert Mitarbeiter angewachsen. Qualifiziertes Personal zu finden, ist kein Problem, wie Vertriebschef Bernhard Stradner sagt. Die Region hat eine lange Tradition im Maschinenbau mit gut ausgebildeten Fachkräften. Eine überdurchschnittliche Bezahlung ist Grundvoraussetzung, denn Allstein verlangt viel von den Mitarbeitern. Oft sind sie wochenlang unterwegs und bauen beim Kunden eine neue Maschine auf. Auch vor Ort ist permanent Höchstleistung gefragt, um die besten Maschinen am Markt zu bauen. Dafür ist ein Klima aus Vertrauen, Respekt und Wertschätzung wichtig. „Wir geben unseren Mitarbeitern die Freiheit und die Sicherheit, ihre Fähigkeiten an der richtigen Stelle einzubringen“, sagt Stradner. Bei Allstein zählt, was man tut und kann. Mitdenken ist ausdrücklich erwünscht. Die Wege zwischen Werkhalle und Konstruktionsbüros sind kurz, die Strukturen flach. Es gibt möglichst wenig Hierarchie. Hinzu kommt, wer eine „Allstein“ baut, arbeitet mit den besten Materialien. Das spricht sich herum.

Einer Allstein sieht man ihre Wertigkeit an
Vom Kundenauftrag bis zur Abnahme einer Maschine dauert es in der Regel ein Jahr. Jedes Detail ist wichtig. Die Maschinen müssen schließlich jahrelang problemlos arbeiten, drei Schichten pro Tag. Der schönste Moment für alle Beteiligten ist die Übergabe. Bei einer Investition bis zu einem zweistelligen Millionenbetrag kommt der Eigentümer oder auch der CEO eines internationalen Konzerns in der Regel persönlich mit einem Expertenteam nach Herford, um sein „Baby“ in Empfang zu nehmen. Voller Vorfreude aber auch Ehrfurcht vor der Maßarbeit stehen alle in der großen Halle vor dem Stahlkoloss bevor der Startknopf gedrückt wird. „Man sieht dem Kunden an, wie er sich freut, wenn seine Maschine zum ersten Mal läuft und druckt“, so Stradner. Darauf ist jeder Mitarbeiter stolz.

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