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SmartFactoryOWL unterstützt KMUs bei „Industrie 4.0“

Juni 2017Text: ​Sabine TjørnelundFoto: inIT - Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Der Einzug modernster Informations- und Kommunikationstechnik in der Produktion – die sogenannte Industrie 4.0 – läuft auf Hochtouren. Forschungsinstitute und Unternehmen arbeiten seit Jahren an der Entwicklung innovativer Prozesse, um Anlagentechnik, IT-Systeme und betriebswirtschaftliche Modelle stärker zu vernetzen. Dem produzierenden Mittelstand kommt als Motor der deutschen Wirtschaft bei der Digitalisierung eine besondere Bedeutung zu. Die SmartFactoryOWL mit Sitz im ostwestfälisch-lippischen Lemgo – eine der weltweit modernsten Forschungsfabriken – möchte kleine und mittelständische Unternehmen auf dem Weg zu der digitalisierten Produktion unterstützen.

Die SmartFactoryOWL ist eine gemeinsame Einrichtung der Hochschule OWL und des Fraunhofer IOSB-INA in Lemgo, um neue Industrie-4.0-Technologien wissenschaftlich zu begleiten, praktisch zu erproben und für kleine und mittelständische Unternehmen erfahrbar zu machen. „Wir wollen nicht nur Pionier in dem Feld der Industrie 4.0 zu sein, sondern diese Technologien in die Unternehmen, insbesondere in die KMUs, bringen“,* so Professor Dr. Jürgen Jasperneite, Leiter des Fraunhofer-Anwendungszentrums IOSB-INA in Lemgo und Initiator der SmartFactoryOWL.

Der Kontakt zu Unternehmen entsteht oft über die IHKs, mit denen die SmartFactoryOWL eng zusammenarbeitet. Manchmal wenden sich Firmen auch direkt an das Kompetenzzentrum Digital in NRW. So zum Beispiel die Firma hp polytechnik aus Iserlohn. „Was wir bei unserem Besuch in der SmartFactoryOWL an Anwendungsmöglichkeiten gesehen haben, hat uns überzeugt, uns intensiver mit den Möglichkeiten der Digitalisierung zu befassen und konkrete Umsetzungsmöglichkeiten auszuloten“, sagt Matthias Hellebrandt, einer der beiden Geschäftsführer von hp polytechnik. Die SmartFactoryOWL führte bei dem Unternehmen für Feinblechverarbeitung einen sogenannten Quick Ckeck durch. Dafür besuchte Nissrin Perez, Ingenieurin in der Geschäftsstelle der SmartFactoryOWL, die Firma im Sauerland. Gemeinsam mit dem Unternehmen ermittelte sie vor Ort das Digitalisierungspotenzial sowie Optimierungsmöglichkeiten und gab konkrete Anregungen für weitere Schritte. [Mehr zur Zusammenarbeit von hp polytechnik und der SmartFactoryOWL lesen Sie hier]

„Industrie 4.0 ist eine digitale Reise, zu der wir den ersten Anschub geben. Wichtig ist uns, zusammen mit den Unternehmen Lösungen zu erarbeiten und dabei auch die Mitarbeiter von Beginn an mitzunehmen“, erklärt Nissrin Perez. Aus Erfahrung weiß sie: Ist ein Unternehmen erstmal den ersten Schritt gegangen, merkt es schnell, wie schon durch kleine Veränderungen Gewinne erzielt werden.

„Der Quick Check und die Potenzialanalyse haben uns gezeigt, wo wir im Verhältnis zu Wettbewerbern stehen und welche Möglichkeiten sich bieten, mittels Digitalisierung verschiedene Produktion- und Verarbeitungsbereiche zu optimieren. Die Zusammenarbeit mit der SmartFactoryOWL kann ich anderen Unternehmen nur empfehlen“, so Matthias Hellebrandt.

Industrie 4.0 in der Praxis erleben
Die SmartFactoryOWL bietet den Besuchern auf rund 2000 Quadratmetern Demonstratoren und Maschinen in derzeit drei Technologiefeldern: In einem Teil der Halle befindet sich der additive Fertigungsbereich, wo mittels 3-D-Drucktechnologien gezeigt wird, was in der individuellen Produktion bereits heute möglich ist. Im zweiten Hallenabschnitt wird an Assistenzarbeitsplätzen demonstriert, wie unterschiedliche Digitalisierungstechnologien Montageprozesse unterstützen. In einem dritten Abschnitt befindet sich Demonstratoren für flexible Fertigung und wandlungsfähige Produktionssysteme. Hier wird anhand einer Produktionsstrecke dargestellt, wie unterschiedliche Module verschiedener Hersteller so mit einander vernetzt werden, dass sie eine einheitliche „digitale Sprache sprechen“ und in einen vollautomatischen Produktionsprozess eingebunden werden. Das gilt nicht nur für „Massenproduktion“, sondern auch in der Einzelstückfertigung.

Einerseits testen in der SmartFactoryOWL Wissenschaftler und Studierende praxisnah, was in den Laboren in der Theorie entstanden ist und bislang nur an kleinen Modellen erprobt werden konnte. Andererseits erhalten Unternehmen Anregungen, was per Digitalisierung auch in kleinen und mittelständischen Betrieben möglich ist.

Drei Säulen-Modell
Das Konzept der SmartFactoryOWL fußt auf drei Säulen. 1.) Forschung und Entwicklung; 2.) Qualifikation: Die SmartFactory bietet Schulungen, Seminare und Weiterbildung an, um KMUs aufzuzeigen, was sich hinter dem Begriff 4.0 verbirgt, Technologien und Know-how zu vermitteln und sie zu befähigen, die Technologien in ihrem Rahmen anzuwenden. 3.) Transfer: Die Mitarbeiter der SmartFactoryOWL gehen zu den Firmen vor Ort und ermitteln Digitalisierungspotenziale und setzen diese in fokussierten Transferprojekten gemeinsam mit Mitarbeitern vor Ort um. .

Kosten und Fördermöglichkeiten für KMUs
Die ersten Schritte vom Besuch in der SmartFactoryOWL bis zur Potenzialberatung vor Ort sowie Seminare und Schulungen sind für die beteiligten Firmen in der Regel kostenfrei. Erst wenn sich Unternehmen entscheiden, Projekte umzusetzen oder auf externe Unterstützung zurückzugreifen, fallen Kosten an. Auch hier verfügt die SmartFactoryOWL über entsprechendes Know-how und berät KMUs über Förderprogramme, unterstützt sie bei der Antragstellung und vernetzt mit den notwendigen Kompetenzen.

Weiter Infos
http://www.smartfactory-owl.de
SmartFactoryOWL, Langenbruch 17, 32657 Lemgo
Telefon: +49 5261 94290-60, E-Mail: office@smartfactory-owl.de

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